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18.11.2014 18:45

Japanaustausch 2014: Kant zu Gast in Ome

Die im Jahr 1965 gegründete Städtepartnerschaft zwischen Boppard und der japanischen Stadt Ome hat in den letzten Jahren die Basis für eine Vielzahl gegenseitiger Besuche zwischen Bürgern beider Städte gebildet. Die Schulpartnerschaft zwischen dem Kant-Gymnasium Boppard und der Ome-Sogo-High blickt auf eine wesentlich jüngere Geschichte zurück. Seit der offiziellen Gründung der Schulpartnerschaft im Jahr 2010 war der diesjährige Besuch in Ome der zweite; ebenfalls zweimal (2011 und 2013) waren Schülergruppen aus Ome zu Gast in Boppard. Die Gruppe des diesjährigen Austausches vom 27.10. - 5.11.14 bestand aus Schülern der Jahrgangsstufen 9-13.

Ein Großteil der Bopparder Schüler, die jetzt in Japan waren, hatten im vergangenen Oktober ihre japanischen Partnerschüler zu Gast in der eigenen Familie und konnten auf diesem Weg erste Erfahrungen mit der für sie fremden Kultur machen und ihre eigene interkulturelle Kompetenz erweitern. Die Ome-Sogo-Highschool ist eine im Vergleich zum Kant-Gymnasium Boppard sehr junge Schule, gegründet erst 2006. Vergleichbar mit dem amerikanischen Schulsystem besuchen die Schüler diese Schulform drei Jahre lang, in denen sie sich auf eine weitere akademische Ausbildung vorbereiten. Die aktuelle Schülerzahl liegt bei etwa 730, unterrichtete Fremdsprachen sind Deutsch, Englisch und Chinesisch. Im Rahmen des Schulprofils der Ome-Sogo-High kommen außerunterrichtlichen Aktivitäten, insbesondere aus den Bereichen Sport, Musik und traditionelle japanische Kultur eine große Bedeutung zu. Alle drei Bereiche finden im Schulleben ihre Höhepunkte in Form von größeren Festen.

Von der hervorragenden Ausstattung der Schule konnten sich Gastschüler und begleitende Lehrer überzeugen. Neben den naturwissenschaftlichen Fachräumen hat die Ome-Sogo-High eine Vielzahl weiterer Fachräume, die an einem deutschen Gymnasium nicht zum Standard gehören. Dass Berufs-und Lebensweltorientierung zum Kern des Schullebens gehören lassen folgende Bereiche der Schule erkennen: So gibt es eine schuleigene Farm, wo neben Obst, Gemüse und Blumen sogar Reis angebaut wird. Die Schüler lernen die Pflanzen anzubauen, zu pflegen und zu ernten. Für das Unterrichtsfach „Traditionelle japanische Kultur“ gibt es einen Fachraum, ausgestattet mit einem für japanischen Tanz geeigneten Fußboden. Neben dem Tanz wird dort auch Koto (traditionelle japanische Musik) unterrichtet und die Schüler führen Tee-Zeremonien durch, was eine besondere Rolle innerhalb der japanischen Kultur spielt. Den Grenzbereich zwischen Kultur und Kunst deckt das Fach „Flower Design“ ab, wo die Schüler lernen traditionelle japanische Blumengestecke anzufertigen, auch hierfür existieren in der Schule spezielle Fachräume. Auch Hauswirtschaft ist eines der Unterrichtsfächer, weshalb die Schule über als Küche ausgestattete Unterrichtsräume verfügt.

Einen Schwerpunkt des Programmes vor Ort bildete die Hospitation im Fachunterricht der Ome-Sogo-High. Die Schüler erhielten Einblicke in den Unterrichtsalltag in den Fächern Deutsch, Englisch und Hauswirtschaftslehre, wobei die japanischen Lehrer sich bemühten, die deutschen Schüler und Lehrer eng in das Unterrichtsgeschehen mit einzubinden. Da der Schüleraustausch zwischen dem Kant-Gymnasium und der Ome-Sogo-High von beiden Städten als ein wichtiger Kernbereich der Städtepartnerschaft betrachtet wird, waren Schülergruppe und begleitende Lehrer aus Boppard an einem Nachmittag zu Gast in der City Hall von Ome, wo die Gruppe vom Bürgermeister Takeuchi und seinem Stellvertreter empfangen wurde.

Zwei größere Exkursionen waren Bestandteil des Programms. Die erste führte in die Stadt Kamakura, 50 km südwestlich von Tokio. Die Schüler besichtigten das „New Enoshima Aquarium“, ein meeresbiologisches Museum, und anschließend die große Buddha Statue und den Hase Tempel. Auch die Exkursion ins Zentrum von Tokio an einem weiteren Tag begann für die Gruppe mit der Besichtigung eines weltberühmten buddhistischen Tempels, dem Asakusa - Schrein. Im weiteren Verlauf dieses Tages hatten die Schüler die Gelegenheit diese Weltstadt gemeinsam mit ihren Partnerschülern in kleineren Gruppen auf eigene Faust zu erkunden. Neben diesen ganztägigen Exkursionen konnten die Schüler eine in Ome ortsansässige Textilfirma und deren Produktionsräume zu besichtigen, wo hochwertige japanische Tuchwaren hergestellt werden.

Schüler und Lehrer des Kant-Gymnasiums zeigten sich einhellig beeindruckt von der übergroßen Gastfreundlichkeit, mit der sie von Gastfamilien, Schülern und Lehrern der Ome-Sogo-High empfangen wurden. Viele Familien, die Gäste aufnahmen, wohnen deutlich beengter als es die Schüler des Kant-Gymnasiums aus ihrem eigenen Familienalltag kennen. Dies war eine wichtige Erfahrung, die bei den allermeisten wohl bleibenden Eindruck hinterlassen haben wird. Alle Familien trugen dazu bei, ihren Gästen in der gemeinsamen Zeit die Landeskultur näher zubringen und scheuten dabei weder Kosten noch Mühen. Die deutschen Gäste erlebten die japanische Gesellschaft als sehr offen. Die sehr präzise Organisation und minutiöse Planung der Programmpunkte viel Schülern und Lehrern als kulturell bedingter Unterschied zur deutschen Mentalität auf.

Die begleitenden Lehrer hatten die Gelegenheit, sich mit den japanischen Kollegen über Arbeits- und Unterrichtsbedingungen auszutauschen. Auch didaktische und methodische Fragen in den Unterrichtsfächern, in denen hospitiert wurden, konnten reflektiert und als Vergleich zum eigenen Unterricht herangezogen werden. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die zehntägige Reise den Erfahrungsschatz von Schülern und Lehrern beider Seiten nachhaltig erweitert hat.

Das Kant-Gymnasium wird im September 2015 turnusmäßig die nächste Gruppe der Ome-Sogo-High für eine Woche als Gäste empfangen. Geplant ist dann die nächste Japanreise einer Gruppe von Kant Schülern für den Herbst 2016.